Usability: Die Checkliste für Ihre Website

Gleicht Ihre Website einem Labyrinth? Credit: istetiana/Getty Images

Ziehen Ihre Website-Besucher weiter, anstatt zu Kunden zu werden? Vielleicht liegt es daran, dass die Seite die Besucher verwirrt, statt sie zu leiten. Dies Usability-Checkliste macht Ihre Website nutzerfreundlicher.

Der Mensch ist denkfaul. Er mag Dinge, über die er nicht nachdenken muss. Dinge, die ihm automatisch gelingen. Dinge, die selbsterklärend sind.

Genauso müssen Websites aufgebaut sein: Der Nutzer soll sich darauf zurechtfinden, auch wenn er keine Ahnung hat. Er soll nicht suchen, sondern finden. Designer sprechen auch von Usability – oder deutsch: Nutzerfreundlichkeit.

Worauf aber kommt es an bei einer Website, die usable, also nutzerfreundlich, ist? Mithilfe der folgenden Checkliste können Sie die Usability Ihrer Website überprüfen:

Usability-Check 1: Regeln. Nutzen Sie Elemente, die der User schon kennt?

Stellen Sie sich vor, Sie leihen sich ein Auto und das Gaspedal ist plötzlich links. Nicht so lustig, oder? Regeln sind eine wunderbare Sache, denn man gewöhnt sich an etwas und kann dann immer wieder auf diese Gewohnheit zurückgreifen. Solche Regeln, an die sich fast alle halten, gibt es auch massenhaft im Netz.

Wir wissen:

  • Wenn wir etwas downloaden wollen, dann gibt es meist einen Download-Button.
  • Die Lautstärke kann man dort einstellen, wo man das Symbol für Mikrophone sieht.
  • Das Logo, das zeigt, auf welcher Seite man sich befindet, ist meist oben links.
  • Wenn wir sehen wollen, was wir bislang gekauft haben, dann klicken wir auf das Einkaufswagen-Zeichen.
  • Wenn wir auf einen Button klicken, dann passiert das, was auf dem Button steht.

Das Tolle an diesen erlernten Funktionen: Sie funktionieren ohne Erklärung. Niemand muss raten. Verkneifen Sie sich daher Kreativität beim Aufbau und der Gestaltung der Seite. Kreativität ist überbewertet.



Usability-Check 2: Hierarchie. Sagen Sie Ihrem Websitebesucher, was wichtig und was weniger wichtig ist?

Website-Besucher haben es oft eilig. Sie wollen sich schnell einen Überblick verschaffen. Sie helfen ihnen dabei, indem Sie Ihrem Text eine Hierarchie geben: Wichtiges ist groß / farbig / steht weit oben. Kennt man schon aus der guten alten Tageszeitung.

Das sieht zum Beispiel so aus:

Usability-Check 3: Struktur. Stehen Informationen, die zusammengehören, auf der Website zusammen?

Ein paar Infos hier, ein paar Infos dort – der Nutzer wird das Puzzle schon zusammensetzen … Nein, wird er nicht. Für den Nutzer ist es nicht ersichtlich, dass es an einer anderen Stelle auf der Seite weiterführende Informationen gibt. Das, was zusammengehört, muss zusammenstehen.

Gibt es weiterführende Informationen auf einer neuen Seite, sollte diese genau an der Stelle verlinkt sein, wo der Nutzer die weiterführenden Infos brauchen könnte. Generell gilt aber: Gibt es keinen Grund dafür, warum die Zusatzinformationen auf einer neuen Seite stehen, ist es sinnvoll, die Informationen zusammen zu platzieren.

Usability-Check 4: Lesbarkeit. Lässt sich der Text auf der Website gut lesen?

Vermeiden Sie alles, was schwer zu lesen ist:

  • Helle Schrift auf weißem Grund (impulse hat ein gelbes Logo mit weißer Schrift. Ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich sage: Das kann kein Mensch lesen)
  • Zu geringe Zeilenabstände.

  • Zentrierter Text: Ist vor allem bei großen Textmengen schwierig zu lesen.
  • GROSSBUCHSTABEN: GROSSBUCHSTABEN BRAUCHEN MEHR PLATZ UND SIND SCHWER ZU LESEN. Dasselbe gilt für kursiven Text.

Usability-Check 5: Reduktion. Enthält Ihre Website nur Elemente, die unbedingt nötig sind?

Auf einer Seite, auf der nichts Überflüssiges rumsteht, findet der Websitebesucher schneller, was wichtig ist. Unwichtiges lenkt ab und verwirrt. In Zeiten des mobilen Surfens ist diese Regel noch wichtiger – auf dem Smartphone-Display ist kein Platz für Schnickschnack. Überlegen Sie bei jedem Textabsatz und bei jedem Kasten, ob er wirklich notwendig ist. Denn er bedeutet für den Nutzer, dass er noch mehr Scrollen muss.

Wir haben von dieser Seite, die Sie gerade besuchen, sogar die Social-Media-Buttons entfernt, weil wir glauben, dass sie mehr ablenken als nützen. Wenn Sie Hilfe beim Aufräumen brauchen: Diese Elemente können Sie von Ihrer Startseite schmeißen.

Übrigens: Eine der reduziertesten Websites ist die erfolgreichste Website der Welt.

Usability-Check 6: Standards. Ist Ihre Website konsistent?

Damit eine Website kein Quiz ist, sollten Sie nicht nur berücksichtigen, was der Websitebesucher schon von anderen Seiten kennt. Er soll auch erneut anwenden können, was er schon auf Ihrer Website gelernt hat. Etwa, dass Links auf Ihrer Seite immer grün und die Überschriften immer gleich formatiert sind.

Usability-Check 7: Sprache. Sind Ihre Texte verständlich?

Nehmen wir an, Sie haben offene Stellen und möchten in Ihrer Navigation eine Kategorie für Bewerber einrichten. Ob ein Interessent den Bereich findet oder nicht, hängt von Ihrer Wortwahl ab.

  • „Jobs“: Der Websitebesucher denkt: „Ah – Jobs!“ und klickt.
  • „Beschäftigungsmöglichkeiten“: Der Websitebesucher denkt: „Hmm … hier könnte es um Jobs gehen“. Er überlegt kurz und klickt.
  • „Deine Zukunft“: Der Websitebesucher denkt: „Hmm … hier könnte es um Jobs gehen, aber ich bin mir nicht sicher. Soll ich klicken?“

Was ich damit sagen möchte: Kreativität ist auch beim Text überbewertet. Setzen Sie gerade in der Navigation auf Wörter, die der Websitebesucher schon kennt.

Generell gilt: Erklären Sie ihr Angebot so einfach wie möglich – das gilt umso mehr, wenn Sie ein komplexes Angebot haben. Nutzen Sie Wörter, die Ihr Websitebesucher kennt. Machen Sie öfter mal einen Punkt. Hier lesen Sie Fünf simple Texter-Tricks, die jeden Text besser machen.

Usability-Check 8: Informationsarchitektur. Findet der Nutzer, was er sucht?

Wenn Ihr Kunde Ihre Produkte oder Dienstleistungen nicht findet, kann er sie auch nicht kaufen. Klingt logisch, wird häufig dennoch nicht beachtet. Damit sich der Nutzer auf der Seite zurechtfindet, müssen die Unterseiten sinnvoll miteinander verbunden sein. Ein wichtiger Teil der Informationsarchitektur ist die Navigation. Ist die Navigation verständlich? Findet der Nutzer, was er sucht?

Ein Beispiel: Das ist die Navigation eines Malerbetriebs in Hamburg.

Die Navigation sagt nichts darüber aus, um was für ein Unternehmen es sich überhaupt handelt. Es könnte auch die Website eines IT-Services sein, eines Architekturbüros, eines Maschinenbauers.

Bevor man eine Website aufsetzt, ist es wichtig, die Kundenperspektive einzunehmen. Was sucht der Kunde?

Die Navigation könnte dann zum Beispiel so aussehen:

  • Unser Malerbetrieb in Hamburg
  • Kostenvoranschlag bestellen
  • Leistungen
  • Preise
  • Kontakt
  • Team

Hier bekommt der Nutzer präsentiert, was er sucht. Und: Schon anhand der Navigation wird klar, was das Angebot des Unternehmens ist.

Usability-Check 9: Inhalte. Beantworten Sie die Fragen des Website-Besuchers?

  • Was will der Nutzer auf der Website?
  • Was sucht er?
  • Welche Informationen braucht er?
  • Was könnte Ihn zweifeln lassen?

Zu einer guten Usability gehört auch, mögliche Fragen des Nutzers zu antizipieren und zu beantworten. Es ist daher wichtig, seine Zielkunden zu kennen und zu wissen, wonach sie suchen. Eine gute Unternehmenswebsite funktioniert wie ein Dialog zwischen Kunde und Verkäufer. Und der Verkäufer hat natürlich alle Informationen parat, die der Kunde haben möchte.

Usability-Check 10: Testen. Findet sich der Website-Besucher zurecht?

Und wenn Sie dann das Gefühl haben: „Jetzt ist meine Seite wirklich aufgeräumt und jeder versteht sofort, was hier Sache ist“, dann testen Sie die Seite – und zwar mit Leuten, die keine Ahnung haben.

Ich selbst bin immer wieder erstaunt, über welche unerwarteten Hürden diese Nutzer stolpern. Und wenn das der Fall ist, dann ist nicht der Nutzer zu doof – sondern Ihre Website noch immer ein Quiz. Beginnen Sie wieder von vorne.

Kommentare (4)

  • Alles sehr schön und zutreffend – danke! Wirklich gut!

    Und dann war da die Sache mit dem Überprüfen und dem komischen Zeichen è:
    „Jobs“ è Der Websitebesucher denkt: „Ah – Jobs!“ und klickt.
    „Beschäftigungsmöglichkeiten“ è Der Websitebesucher denkt: „Hmm… hier könnte es um Jobs gehen“. Er überlegt kurz und klickt.
    „Deine Zukunft“ è Der Websitebesucher denkt: „Hmm… hier könnte es um Jobs gehen, aber ich bin mir nicht sicher. Soll ich klicken?“

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