Foto: sodapix/gettyimages

So spannen Sie den großen Bogen und schreiben einen Text, der von vorn bis hinten stimmig ist.

Ob jemand versucht, einen spannenden Text zu schreiben oder einen fesselnden Vortrag zu halten – die Sache geht oft aus demselben Grund schief: Der Autor oder Redner will zu viel.

Er versucht all sein Wissen, all seine Botschaften, all die lustigen Anekdoten in einen Text zu packen. Das Problem: Der Leser (oder Zuhörer) hat am Ende nichts, was er mitnehmen kann. Keine zentrale Erkenntnis.

Was fehlt, ist der rote Faden.

„Sie können sich den roten Faden als eine Art Leine vorstellen, an der Sie alles aufhängen, was zu der Idee gehört, die Sie entwickeln wollen“, schreibt TED-Talk Chef Chris Anderson in seinem Buch „TED Talks – die Kunst der öffentlichen Rede“. Der rote Faden ist Ihre zentrale Botschaft, die alles zusammenhält. Bevor Sie also einen Text schreiben oder eine Präsentation vorbereiten, überlegen Sie also genau: Woran soll sich hinterher jeder erinnern?

Das bedeutet nicht, man keine lustigen Anekdoten erwähnen darf und auf all die kleinen, aber wichtigen Seitenaspekte verzichten muss. Es gilt nur, alles in einen Zusammenhang zu bringen. Immer klar zu machen, was der kleine Randaspekt mit der großen Idee zu tun hat.

Ob ein Autor oder Redner einen roten Faden hat, wird oft schon mit den ersten Sätzen klar.

Beispiel für einen Einstieg in einen Vortrag ohne roten Faden:

„Ich möchte Ihnen erklären, warum es wichtig ist, Mädchen für Mathematik zu begeistern. Dann werde ich Ihnen zeigen, wie Frauen heute in der Mathematik vertreten sind, und mit einem Ausblick schließen.“

Zum Vergleich der Texteinstieg zum selben Thema mit roten Faden:

„Auf den ersten Blick sieht es aus, als hätten Mädchen tatsächlich weniger mathematisches Talent als Jungen. In der Pisa-Studie von 2015 hatten deutsche Jungs in Mathe durchschnittlich 520 Punkte. Gleichaltrige Mädchen schafften nur 504. Woran liegt das? Unsere Untersuchungen zeigen: Wir nehmen Mädchen in Sachen Mathematik systematisch die Motivation und das Selbstvertrauen.“

Der fettgedruckte Satz ist der rote Faden für den Text. Spüren Sie den Unterschied?

Was kann ein roter Faden sein?

Wichtig ist: Der rote Faden sollte in einen, maximal zwei kurze Sätze passen.

Im besten Fall ist der rote Faden eine starke, vielleicht überraschende These. Ein paar Beispiele (geklaut bei mir selbst):