Finiata bietet über seine Webseite die Vorfinanzierung von offenen Forderungen ab 1 Euro an. Das Start-up will damit Factoring auch für sehr kleine Unternehmen und Freiberufler ermöglichen. Der etablierte Anbieter Crefo-Factoring Berlin-Brandenburg bedient diese Kundengruppe bislang nicht, will dies aber schon bald – und behauptet das günstiger und besser zu können. Wer wird sich durchsetzen? Zum Duell treten an: Finiata Mitgründer Ingmar Stupp und Harry Kern, Geschäftsführender Gesellschafter von Crefo-Factoring Berlin-Brandenburg.

DIE WICHTIGSTEN FAKTEN:

Diese beiden streiten um den Factoring-Markt:


  • ist Geschäftsführender Gesellschafter von Crefo-Factoring Berlin-Brandenburg
  • hat die Firma nach der Gründung 1999 mitaufgebaut
  • der studierte Betriebswirt war zuvor in der Logistik tätig
  • Crefo-Factoring Berlin Brandenburg ist eine von 15 Regionalgesellschaften
  • Crefo-Factoring ist Teil der Creditreform-Gruppe
  • Das Unternehmen mit 13 Mitarbeitern (Stand: September 2018) bietet sogenanntes echtes Factoring an
  • 2017 hat Crefo-Factoring Berlin-Brandenburg nach Firmenangaben Rechnungen im Volumen von 150 Millionen Euro gekauft
  • ist Mitgründer von Finiata, seit November 2017 ist er in der Geschäftsführung verantwortlich für das operative Geschäft
  • war zuvor Mitgründer und Geschäftsführer des russischen Online-Lebensmittelhändlers brainfoods.ru
  • ist studierter Wirtschaftsingenieur
  • Finiata wurde 2016 gegründet, hatte im September 2018 50 Mitarbeiter
  • Finiata bietet sogenanntes unechtes Factoring an
  • Außer in Deutschland ist Finiata auch in Polen tätig
  • Im Sommer 2018 vermittelte Finiata rund 500 Kunden monatlich eine Finanzierung
  • Seit 2016 haben sich nach Firmenangaben 24000 Nutzer bei Finiata registriert

Um was streiten die sich eigentlich?

Unternehmen, die ihren Kunden Rechnungen stellen, möchten das Geld in der Regel möglichst schnell bekommen. Factoringgesellschaften machen genau das möglich, indem sie offene Forderungen finanzieren. Diese Finanzdienstleistung wird bei Unternehmen zunehmend beliebt. Im Jahr 2003 finanzierten die Anbieter Rechnungen im Volumen von gut 35 Millionen Euro in Deutschland, 2017 waren es mehr als 230 Millionen Euro. Bislang stand diese Finanzdienstleistung aber Solo-Selbstständigen und Freiberuflern kaum offen – ihre Umsätze sind meist zu gering, um für Factoring-Anbieter lukrativ zu sein. Bei Crefo-Factoring liegt der Mindestumsatz pro Jahr bislang (Stand September 2018) im sechsstelligen Bereich. Finiata hingegen finanziert sogar einzelne Rechnungen ab 1 Euro. Möglich mache das digitale Technologie, heißt es bei der Firma.

Doch die Unterschiede gehen darüber hinaus. Etablierte Anbieter wie Crefo-Factoring kaufen Rechnungen, gleich nachdem sie an den Kunden gegangen sind. Und wenn der nicht zahlt, ist das das Problem des Käufers. Echtes ­Factoring heißt das in der Fachsprache.
Finiata hingegen bietet sogenanntes unechtes Factoring an: Finiata bezahlt offene Rechnungen sofort, kauft diese aber nicht, sondern vergibt stattdessen ein Darlehen. Das Risiko, dass der Kunde nicht zahlt, übernimmt Finiata nicht.
Hier liegt der zweite zentrale Unterschied der Modelle: Beim echten Factoring ist die Bonität des Rechnungsempfängers entscheidend. Kann der bezahlen, bekommt die Factoringfirma kein Problem. Crefo-Factoring nutzt dafür die Bonitätseinschätzungen der 1879 gegründeten Wirtschaftsauskunftei Creditreform, zu deren Gruppe das Unternehmen gehört.
Finiata hingegen checkt nicht die Rechnungsempfänger, sondern schätzt die Kreditwürdigkeit der Selbstständigen oder Firmen ein, die von Finiata ein Darlehen zur Vorfinanzierung einer offenen Rechnung erhalten. Dabei setzt das Start-up auf einen Algorithmus, der neben den Urteilen von Auskunfteien eine Vielzahl von weiteren Daten verarbeitet, darunter etwa die Kontohistorie, die Sozialstruktur am Firmensitz oder sogar, wie häufig der Unternehmensname in eine Suchmaske falsch eingegeben wurde.

1 comment

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  • Kreative Zerstörer im Factoring. Finiata vs. Crefo-Factoring ein ungleiches Duell. Beide Gesellschaften haben in der heutigen Zeit Ihre Bleibensberechtigung. Fintechs überraschen immer wieder mit guten Ideen.