Die Online-Apotheke DocMorris digitalisiert den Handel mit Medikamenten und setzt auf Kampfpreise. Das erzürnt viele traditionelle Apotheker, die ihren Markt von der neuen Konkurrenz abschotten wollen. Andere stellen sich dem Wettbewerb und setzen wie die Hamburger Adler-Apotheke selbst auf Digitalisierung. Wer wird sich am Ende durchsetzen?

DIE WICHTIGSTEN FAKTEN:

Diese beiden streiten über die Zukunft der Apotheken:

  • 29 Jahre alt, Apothekerin
  • Junior-Chefin der Adler-Apotheke in Hamburg
  • Die Apotheke in Hamburg-Wandsbek wurde im Jahr 1773 eröffnet und ist eine der ältesten Apotheken Deutschlands. Heute wird sie in der 4. Generation geführt und hat 100 Mitarbeiter. Motto: „Wir wissen was wirkt.“
  • Das moderne Aufbewahrungssystem fasst rund 12.000 verschiedene Arznei-Artikel und gibt jeden einzelnen davon automatisch aus. „Den Gang zu den Schubladen können sich unsere Apotheker sparen. Unsere Mitarbeiter wählen das gewünschte Medikament nur am Computer aus, schon setzt sich im Lagerraum der Automat in Bewegung und transportiert das Produkt zum Ausgabeschacht im Verkaufsbereich“, sagt Gnewkow, „derweil können unsere Apotheker in aller Ruhe beraten.“
  • 42 Jahre alt, Chief Strategy Officer bei DocMorris
  • verantwortet die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells und die Positionierung der Marke
  • DocMorris ist ein Tochterunternehmen der Schweizer Zur Rose Group AG mit Sitz im niederländischen Heerlen; der Umsatz 2016: 331 Millionen Euro (Vorjahr: 300 Mio. Euro).
  • DocMorris beschäftigt 600 Mitarbeiter und bietet ein Apotheken-Vollsortiment mit über 180 000 Produkten an.
  • Mehr als 4 Millionen Kunden haben bisher Medikamente bei DocMorris bestellt. Mit einer Markenbekanntheit von über 60 Prozent in der deutschen Bevölkerung ist DocMorris Deutschlands bekannteste Apothekenmarke (GfK-Studie 2017). Bis zu 20.000 Pakete werden Tag für Tag versendet, insgesamt werden rund 3,5 Millionen Rezepte pro Jahr bearbeitet.

Um was streiten die sich eigentlich?

Im 34 Milliarden Euro schweren Markt für verschreibungspflichtige Arzneien wurde 2016 rund ein Prozent des Umsatzes per Versand erzielt, bei rezeptfreien Mitteln waren es 13 Prozent, so der Branchenverband ABDA. Standesvertreter fordern zurzeit ein generelles Versandverbot für rezeptpflichtige Arzneien und sehen die Politik in der Pflicht, die Apotheken vor den Folgen der Digitalisierung zu schützen. Als Versandapotheke mit Firmensitz im europäischen Ausland muss sich DocMorris nach einem wegweisenden EuGH-Urteil nicht an die in Deutschland geltende Preisbindung für Rezeptarzneimittel halten.

Add comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.