5 simple Texter-Tricks, die jeden Text besser machen

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Texten kann ganz einfach sein, wenn man diese fünf Texter-Tricks kennt. Credit: as_seen/photocase.de

Wenn ich mit Unternehmern gemeinsam neue Texte schreibe, zum Beispiel für deren Firmenwebsite, dann fühle ich mich regelmäßig peinlich berührt. Denn die Unternehmer sagen dann häufig sowas wie:

„Mensch, für diese drei Sätze hätte ich schon wieder drei Tage gebraucht.“

Oder: „Wie machen Sie das, dass Ihnen immer genau die passenden Worte einfallen?“

Oder: „Genial – das ist genau das, was ich immer sagen wollte, für das ich aber nie die richtigen Worte gefunden habe.“

Ich freue mich dann, aber ich schäme mich auch. Ich bin nämlich weder genial noch hochbegabt. Ich texte einfach mit System.

Das sind einige der Texter-Tricks, die jeden Text besser machen
 

 1. Eliminieren Sie Hauptwörter

Verben machen einen Text stark. Hauptwörter machen ihn lahm. Das gilt vor allem für solche, die auf „ung“, „keit“ oder „heit“ enden.

Nehmen wir an, ein Gebäudereiniger schreibt auf seiner Website:

„Die Erfolgsformel für Gebäudedienstleistung ist Kostensenkung und Qualitätssicherung.“

Dann schrillt bei mir sofort die Hauptwort-Alarmglocke: drei „ung“-Wörter in einem Satz!

Das geht doch viel einfacher! Etwa so:

„Unsere Erfolgsformel: Wir reinigen Ihr Gebäude gründlich UND günstig.“

Extra-Tipp: Nutzen Sie die Suchfunktion in Word und suchen Sie nach „heit“, „keit“ und „ung“. Prüfen Sie dann genau: Können Sie das Wort ersetzen?
 


  
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 2. Werden Sie konkret

„Digitalisierung“, „Praktikabilität“ „Moderne Kommunikationsformen“. Wissen Sie, was damit genau gemeint ist? Ich nicht. Und das ist doof. Denn wer seinen Lesern oder Kunden ein Rätsel aufgibt, der ist alles andere als überzeugend.

Ein Versicherungsmakler schrieb mir etwa:

„Wir bieten eine bedarfsorientierte Beratung […]. Von uns erhalten Sie ein individuelles, passgenaues Gesamtkonzept; modern und wandlungsfähig.“

Wörter wie „modern“ und „wandlungsfähig“ klingen erstmal positiv. Aber was ist damit eigentlich gemeint?

Werden Sie konkret, zum Beispiel so:

„Wir verkaufen Ihnen ein Versicherungspaket, das zu Ihnen passt: Sie bekommen nicht weniger – aber definitiv auch nicht mehr, als Sie brauchen. Und wenn Sie heiraten, Kinder kriegen, ein Haus bauen? Dann passen wir Ihre Versicherung einfach an.“
 

 3. Teilen Sie die überschrift in zwei teile

Wenn ich Überschriften texte, zum Beispiel für Unternehmenswebsites, dann unterteile ich diese oft: In den ersten Teil schreibe ich, WELCHES Kundenproblem das Unternehmen löst. In den zweiten Teil schreibe ich, WIE oder WOMIT das Unternehmen das Kundenproblem löst.

Beispiel: Auf der Website einer Kochschule war die Überschrift einfach „Kochkurse“.

Besser wäre es, genau zu beschreiben, was der Teilnehmer von den Kochkursen hat:

„Ihre Gäste werden begeistert sein – Kochkurse für Anfänger.“ (Mit dieser Überschrift machen wir übrigens gleich auch noch klar, wer die Zielgruppe ist.)

Oder: Auf der Website einer PR- und Textagentur stand: „Ziehen Sie mit meiner Hilfe Ihre Wunschkunden an“.

Daraus haben wir gemacht: „Gemeinsam ziehen wir Ihre Wunschkunden an – mit Texten und Pressearbeit, die herausstechen.“

Und vor kurzem habe ich die Website eines Unternehmens neu getextet, das Sportkurse für Kinder anbietet. Bisher war die Überschrift auf der Seite einfach „Willkommen bei XXX“.

Jetzt haben wir getextet: „Wir bringen Dein Kind in Bewegung – XXX: Ballsport für Kinder ab zwei Jahre“ (auch hier benennen wir die Zielgruppe gleich in der Überschrift).
 

 4. Streichen Sie einfach alle Füllwörter

Die Füllwörter-Regel ist ziemlich einfach: Sie dürfen Füllwörter gerne streichen. Denn sie machen einen Text eigentlich immer schwächer. Deshalb sind sie wirklich verzichtbar. Sie bringen einen Text irgendwie echt nicht voran. Ganz im Gegenteil: Sie blähen ihn quasi auf, sind mitunter völlig überflüssig. Ihr Text wird so immerhin länger, aber das ist im Grunde überhaupt nicht ihr Ziel. Formulieren Sie doch lieber knapp und präzise.

Wollen Sie wissen, welche Wörter Sie aus Ihrem Text schmeißen sollten? Hier geht es zu meiner Streichliste.
 

 5. Formulieren Sie aktiv

Wer einen lebendigen Text schreiben will, muss das Passiv meiden.

Ein Handwerker schreibt auf seiner Website: „Die Fliesen werden nach Ihren Wünschen verlegt.“

Besser wäre: „Wir verlegen Fliesen nach Ihren Wünschen.“ Oder: „Wir verlegen Fliesen so, wie Sie es sich wünschen.“

Auf der Website einer Praxis für Physiotherapie steht: „Bei der ‚Krankengymnastik am Gerät‘ werden an speziellen Trainingsgeräten Verbesserungen der Muskulatur und des Stützgewebes erreicht.“

Warum spricht man die Patienten nicht direkt an? Zum Beispiel so: „An unseren Trainingsgeräten stärken Sie Ihre Muskeln, Knorpel und Knochen.“

Tipp: Nutzen Sie auch hier die Suchfunktion in Word und suchen Sie nach „wird“, „werden“, „wurde“ und „wurden“.

4 Kommentare

  • Günter Heini Antworten

    Ja klasse. Einfache Tipps, die jeder sofort umsetzen kann. So wird jeder Text um Welten besser. So einfach ist es. Ich stimme absolut zu.

  • Thomas M. Malow Antworten

    Super! So einfach, doch (fast) nie beachtet.

  • Heinz Mittler Antworten

    Sehr gut: Wortmüll und Phrasen entfernen, konkret formulieren. Auch sehr hilfreich für eine pfiffige Bewerbung. Leider bleiben die meisten Verfasser schwammig – oder Gott sei Dank für den, der es besser macht.
    Danke für die Tipps.

  • Ronald Bergmann Antworten

    Ich habe diesen Beitrag gerne gelesen und fand ihn total interessant. Besonders dem Abschnitt über die zu häufige Verwendung von Hauptwörtern kann ich uneingeschränkt zustimmen. Ich möchte künftig auch öfter die unnötigen Füllwörter weglassen, denn im Zeitalter der Emojis müssen Gefühle nicht mehr umständlich ausformuliert werden.

    Also Schluss mit der „anbiedernden“ Schreiberei und neues Wissen angewendet:

    Ich habe diesen Beitrag gelesen und fand ihn interessant. Dem Abschnitt über die Verwendung von Hauptwörtern kann ich zustimmen. Ich möchte die Füllwörter weglassen, denn im Zeitalter der Emojis müssen Gefühle nicht mehr ausformuliert werden. 😉

    Interessant ist für mich die Erkenntnis, dass die Mischnutzung von Einzahl und Mehrzahl mit einer Zufallskonjugation aufgefangen werden kann. Ich habe diese Fälle bisher immer umformuliert (da Texte nun mal herausstechen, die Pressearbeit dagegen heraussticht). Auf Empfehlung von Profis, die das als optimale Überschrift preisen, werde ich es künftig unterlassen und nur noch gegen das leichte Grummeln im Bauch ankämpfen, welches ich dabei empfinde.

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