Die sieben wichtigsten Regeln für Texte, die fesseln

Ein komplizierter Buchstabensalat sorgt nicht immer für verständliche Texte – oft bewirkt er das Gegenteil. (Credit: misterqm/photocase.com)

Die meisten Texte verlieren Ihre Leser schon nach den ersten Sätzen. Warum? Sie verstoßen gegen diese simplen Regeln für prägnante Sprache.

Es ist bitter: Die meisten Texte verlieren ihre Leser schon nach den ersten Sätzen. Warum das so ist? Sie verstoßen gegen diese simplen Regeln für prägnante Sprache.

1. Streichen Sie leere Worthülsen und werden sie konkret

„Digitalisierung“, „Praktikabilität“ „Moderne Kommunikationsformen“– lesen Sie solche Ausdrücke auch ständig? Das liegt daran, dass viele Menschen zu faul sind, zu schreiben, worum es wirklich geht. Machen Sie es besser, werden Sie konkret.

Ein Beispiel: Ein Versicherungsmakler schrieb mir:

„Wir bieten eine bedarfsorientierte Beratung […]. Von uns erhalten Sie ein individuelles, passgenaues Gesamtkonzept; modern und wandlungsfähig.“

Wörter wie „modern“ klingen erstmal positiv. Aber was ist damit eigentlich gemeint?

Mein Gegenvorschlag: „Wir verkaufen Ihnen ein Versicherungspaket, das zu Ihnen passt: Sie bekommen nicht weniger – aber definitiv auch nicht mehr, als Sie brauchen. Und wenn Sie heiraten, Kinder kriegen, ein Haus bauen? Dann passen wir Ihre Versicherung einfach an.“



2. Prüfen Sie Ihre Substantive

Verben machen einen Text stark – Substantive lahm (vor allem die, die auf –ung enden).

Beispiel:

Statt „Wir bieten Messerealisierung“

schreiben Sie: „Wir entwerfen und bauen Messestände.“
 

3. Streichen Sie Ihre Floskeln

Mögen Sie Briefe, die Sie vom Finanzamt bekommen? Nein? Dann verzichten Sie auch selbst auf Beamtendeutsch.

Aus „zu diesem Zeitpunkt“ wird „jetzt“.

Aus „nicht mehr wegzudenken“ wird „gehört einfach dazu“.

Aus „wir arbeiten lösungsorientiert“ wird „wir suchen Lösungen“.

Prinzip verstanden?

4. Hören Sie auf, mit Expertenwissen zu protzen

Benutzen Sie ein Wort, das mehr als fünf Prozent der Leser nicht verstehen? Dann hat es in Ihrem Text nichts zu suchen. Wer gelesen werden will, der sollte simple Worte wählen. Schopenhauer hat es auf den Punkt gebracht: „Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“

5. Kürzen Sie Ihre Sätze

Sätze die uns in Erinnerung bleiben:

„Deutschland ist Weltmeister!“

„Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen.“

„Ich bin ein Berliner.“

„Wir sind das Volk.“

Sätze, die nicht in Erinnerung geblieben wären:

„Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat mit einem Sieg gegen Ungarn im Wankdorfstadion in Bern die Endrunde der Fußballweltmeisterschaft gewonnen.“

Oder: „Ich bin ein Einwohner der Stadt Berlin.“

Oder: „Wir sind die Bevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik.“

Sagen Sie’s kurz. Vermeiden Sie Nebensätze. Das menschliche Hirn kann Hauptsätze am besten erfassen. Sätze mit zwei oder mehr Nebensätzen überfordern uns. Faustregel: Je wichtiger die Aussage, desto kürzer der Satz.

6. Halten Sie Subjekt und Prädikat zusammen

Die deutsche Sprache hat eine Besonderheit: Man kann Subjekt und Prädikat beliebig weit auseinanderziehen.

Beispiel: Er (Subjekt) hatte diesen Freund, der mit ihm lachte und ihn tröstete, der mit ihm Fische fangen ging und bei dem er sich so geborgen fühlte, wie bei keinem anderen Menschen, leider noch nicht getroffen (Prädikat).“

Der Leser muss sich durch eingeschobene Nebensätze mit 29 Wörtern kämpfen, ehe er die Bedeutung des Satzes erfassen kann.

Subjekt und Prädikat sollen nah beieinander stehen.

Etwa so: „Er hatte diesen Freund noch nicht getroffen. Ein Freund, der mit ihm und lachte und ihn tröstete. Ein Freund, der…“

7. Nutzen Sie kurze, starke Wörter

Die deutsche Sprache hat noch eine Besonderheit: Sie lässt Worte mit beliebig vielen Silben zu.

Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz

Oder: Telekommunikationsüberwachungsverordnung

Nicht nur Juristen neigen zu solchen Ungetümen.

Ein Personenkraftwagen ist ein Auto.

Die Bevölkerung ist das Volk.

Aggressionspotential ist Wut.

Grundnahrungsmittel sind Brot und Milch.

Durchforsten Sie nun Ihren Text: Streichen oder ersetzen Sie Worthülsen, Substantive, Floskeln. Zerschlagen Sie lange, komplizierte Sätze. Nutzen Sie kurze und prägnante Wörter. Und schließlich: Testen Sie Ihren Text. Ist er jetzt leicht zu lesen?

So testen Sie Ihren Text:

  • Mit dem Laien-Test: Geben Sie jemandem Ihren Text, der fachfremd ist. Versteht er den Text beim ersten Lesen?
  • Mit dem Vorlesetest: Laut zu lesen kommt vielen komisch vor. Überwinden Sie sich: Lesen Sie Ihren Text laut vor. Kommen Sie ins Stottern? Dann ist Ihr Text zu kompliziert.
  • Wer leicht verständlich schreiben will, muss sich Mühe geben. Aber diese Mühe lohnt sich. Nur wer frische, verständliche Texte schreibt, der wird auch gelesen.

    Lektüretipp: Wolf Schneider: Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergaß. Rororo, 9,99 Euro.

    Kommentare (13)

    • Vielen Dank für diese fundierte Zusammenfassung der wichtigsten Schreibregeln. Einen Tipp möchte ich noch ergänzen: Vermeiden Sie Versalsatz, denn er ist deutlich schlechter zu lesen als Mischsatz …
      Test: VERMEIDEN SIE VERSALSATZ, DENN ER IST DEUTLICH SCHLECHTER ZU LESEN ALS MISCHSATZ …
      … und nimmt zudem unnötig viel Platz weg, was gerade bei Ausgabe auf mobilen Endgeräten wichtig sein kann.

      Test bestanden 🙂

    • Bor, die Sache mit dem Berliner ist ein ganz alter Hut. Und ich mag Texte, bei denen ich Anregungen bekomme, ich will nicht nur konsumieren, sondern auch in meinem Denken gefördert und voran gebracht werden. Damit bin ich bestimmt nicht die einzige. Es muss kein Habilschriftsprech sein, aber eben auch kein Bildzeitungsflupptalk. Und in der heutigen Zeit Brot und MIlch als Grundnahrungmittel zu bezeichnen ist auch recht mutig. Ansonsten ist die Kritik an der quadrateckigen Ausdrucksweise von Behörden und Co. natürlich richtig.

      • Liebe Frau Allendorf,

        Inhalt und Sprache sind doch zwei grundverschiedene Dinge. Selbst Doktorarbeiten in Philosophie können in verständlicher Sprache geschrieben sein. Die wahren Könner machen es vor. René Descartes hat etwa gesagt: „Ich denke, also bin ich.“ Ein Satz mit fünf Wörtern (auf Latein sind es sogar nur drei). Ich mag kluge Texte, genau wie Sie. Aber ich liebe kluge Texte, wenn ich mich auf den spannenden Inhalt konzentrieren kann und nicht erst die Sprache dechiffrieren muss.

        Herzliche Grüße aus der impulse-Redaktion,

        Nicole Basel

    • Danke für die Tipps. Grundsätzlich sind diese brauchbar. Ich bin aber der Meinung, dass man nicht pauschalieren sollte. Am Ende geht es darum zu überlegen, was man adressieren möchte und wer der Adressat ist. Auch sollten wir nicht in den Telegrammstil verfallen oder die mittlerweile gängige SMS- oder WhatsApp-Stile in allen Textversionen übernehmen. Das Wichtigste an einem Text ist aber Authentizität. Der Text wird durch den Verfasser bestimmt und dieser sollte so schreiben, wie er sich am wohlsten fühlt.
      Aber ich weiß, was Sie mit Ihrem Artikel meinen, mich hat mein Jura-Studium in meinem Schreibstil enorm versaut ;-)) Ich finde Ihre Artikel und die Ihrer Kollegen sehr hilfreich und auch gut als Denkanstoß.

    • Danke für Ihre Tipps. Speziell im Kunstbereich wird mit Formulierungen „herumgeworfen“ was Otto Normal-Verbraucher ohnehin nicht versteht und ich persönlich versuche auf meinem Blog diesem bereits schon seit Jahren entgegenzuwirken. Ob es mir gelungen ist, ist eine andere Geschichte.

    • Ich bin so etwas wie der Thomas Mann in meinem Freundes- und Kollegenkreis und „Schachtelsatz“ ist mein zweiter, nein dritter Vorname. Und wissen Sie was? Meine Kollegen loben mich regelmäßig für meine expliziten und detailiierten E-Mails, die selber dafür sorgen, keinen 17 Nachrichten schweren Folgedialog per E-Mail und eine abschließende Telefonkonferenz provozieren, welche man dann auch gleich hätte ansetzen können. Meine Freunde? Fragen bei nachlassender Aktivität meinerseits auf Facebook und Co. wann ich denn mal wieder eine ausgiebige Analyse zur „Lage der Nation“ (meist irgendwelchen aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Themen) veröffentliche. Man würde es vermissen. Ergo: Mit Generalisierung kommen wir hier nicht weiter. Und nichts, aber wirklich gar nichts, finde ich (persönlich!) öder und auch unangenehmer als berufliche Texte im Telegrammstil. Auch ihre Beispiele halte ich für wenig tauglich, da in vielen Fällen die gewählten Begriffe nicht bedeutungsgleich sind: Es tut mir leid Ihnen sagen zu müssen, dass Volk und Bevölkerung NICHT identisch sind – von speziellen Konnotationen oder Assoziationen, die bestimmte Begriffe mit sich bringen, rede ich da noch nicht einmal. Und Grundnahrungsmittel sind eben nicht nur Milch (oder Wasser) und Brot, sondern sind in verschiedenen Kulturkreisen jeweils anders zu definieren. Will ich also nicht speziell für oder über einen bestimmten Kulturkreis schreiben, sage ich „Grundnahrungsmittel“. Und mal ehrlich: Wer mindestens einen ehrlich erworbenen Hauptschulabschluss vorweisen kann, sollte mit einem solchen Begriff weder überfordert sein nochdavon abgestoßen werden. Das sind MINIMALanforderungen an das Bildungsniveau einer Nation! Wenn wir jegliche Mühe dem goldenen Kalb der Effizienz opfern, können wir das Thema Kultur auch gleich komplett abhaken. Und auch eine Einschränkung auf geschäftliche Texte (die natürlich sachlicher und knapper und in höchsmöglichem Maß verständlich für den Adressatenkreis sein müssen) möchte ich nicht vollumfänglich gelten lassen. Denn auch dort ist oftmals die kreative Verwendung von Sprache (ebenso wie die von Bildern) das Salz in der Suppe, das den Leser beim Thema bleiben lässt.

      • Hallo Herr Henke,
        ich verstehe Ihren Punkt. Schlimmer noch finde ich den Deppenbindstrich. Offenbar scheint es nicht mehr zumutbar zu sein, von Websitetexten, Inhaltsangabe oder Onlinehandel zu schreiben. Das Ganze gipfelt dann in: Pizza-Teig, Party-Service oder Auto-Panne. Soweit okay.
        ABER: Auch Ihre Zeilen lassen sich teils pointierter zusammenfassen, ohne dass diese an Aussage oder Strahlkraft verlören. Nur zwei kleine Beispiele: „Es tut mir leid Ihnen sagen zu müssen…“. Was spricht gegen: “Leider muss ich Ihnen sagen“? Oder: „Und nichts, aber wirklich gar nichts, finde ich (persönlich!) öder und…“ Warum nicht: „Nichts finde ich öder als…?“ Wenn Sie diesen Satz schreiben (Ich-Form), ist es ja bereits persönlich :-). Und ob die Wiederholung „wirklich GAR nichts“ Ihrer Aussage mehr Kraft verleiht… Ich denke (persönlich 😉 nicht?

        Beste Grüße Ute Latzke

    • Vielleicht sollte man für das sog. Beamtendeutsch auch mal eine Lanze brechen. Es gilt hier möglichst umfassend den Rahmen für das, was den Inhalt betrifft, zu definieren. Wichtig ist auch eine Angleichung an die jeweiligen Wissensstände der Leser. Denn ein Arzt hat von Astronomie doch weniger Ahnung, und umgekehrt erst recht. Gesetzestexte sind ein Beispiel für möglichst deutliche Ausformulierung des Geltungsbereiches. Ist so, wird keine Sprache der Welt ändern. Und leichte Sprache wäre hier ganz sicher fehl am Platz.

    • Ganz ehrlich, ich mag üppige und ausschweifende Sprache. Ohne diese Vorliebe hätte ich mich nie begeistert durch einen Goethe, Dante oder gar Shakespeare lesen können. Aber was bei den Klassikern Berechtigung hat, ist in der alltäglichen Kommunikation fehl am Platz. Ich ertappe mich immer wieder selbst dabei, wie ich viel Zeit darauf ver(sch)wende, alles unnötig kompliziert und verschachtelt in einem manchmal befremdlichen Marketingsprech zu formulieren. Der letzte Satz macht deutlich, was ich meine 🙂

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