Wie impulse 2013 unabhängig wurde

impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster erinnert sich an den Neustart:

„Es war eine Zäsur, am 9. Januar 2013, als ich um 22:09 Uhr endlich den Kaufvertrag unterschrieb. Wochenlang hatte ich mit Gruner + Jahr über einen Management-Buy-out verhandelt, einen Businessplan geschrieben, ein Team zusammengestellt, mich um Räume, Redaktionssystem, Druckerei gekümmert, die Finanzierung gesichert. Innerhalb weniger Wochen bereitete ich mit wenigen Vertrauten alles vor, zunächst im Verborgenen, dann offen. Doch Gruner + Jahr zögerte, schließlich hatte der Hamburger Großverlag bis zu diesem Zeitpunkt nie einen Titel an einen Chefredakteur verkauft. Zudem gab es Interessenten, die mehr Geld boten. Es kam mir vor, als dauerten die Verhandlungen eine Ewigkeit. Auch das impulse-Team, dessen Stellen auf dem Spiel standen, wurde von Tag zu Tag unruhiger und ungeduldiger – obwohl vom ersten Gespräch mit dem Gruner + Jahr-Vorstand bis zur Vertragsunterschrift nur 71 Tage vergingen: eine sehr kurze Zeit für solch eine Transaktion.

Dann, mit der Unterschrift, war es endlich soweit: Plötzlich war das Mittelstandsmagazin nicht mehr Teil eines Konzerns, sondern selbst Mittelständler. ‚Es lebe das Unternehmertum!‘, schrieb uns ein Leser. Ich war nicht mehr Leitender Angestellter, sondern Unternehmer – mit sämtlichen Freiheiten und vollem Risiko. Es war ein existenzieller Schritt, den ich nicht gegangen wäre, wenn meine Familie nicht zugestimmt und ich nicht auf die Stärke des Teams vertraut hätte. Jahrelang hatte ich das übertriebene Sicherheitsdenken der Deutschen und den fehlenden Mut, etwas selbst in die Hand zu nehmen, angeprangert. Jetzt bot sich die Chance, die Rolle des Beobachters aufzugeben und etwas Neues zu starten. Für die Entscheidung blieben mir nur wenige Tage. Ich zögerte nicht – weil ich Lust hatte, als Unternehmer zu arbeiten, weil ich an das Potenzial der Marke glaubte. Und weil es mir gelang, mit Dirk Möhrle aus einer der großen Hamburger Unternehmerfamilien einen erfahrenen Minderheitsgesellschafter und Sparringspartner zu gewinnen.

Seit dem Neustart verabschieden wir uns Schritt für Schritt von überholten Praktiken der Verlagsbranche. Wir haben sämtliche Abo-Prämien abgeschafft, weil solche Lockangebote das Magazin entwerten und langjährige Leser vor den Kopf stoßen. Wir haben Anzeigenpreise nach Firmengröße gestaffelt, damit nicht nur Konzerne die Chance haben, unsere große Reichweite für ihre Werbung zu nutzen. Wir richten die Marke sehr viel stärker als Netzwerk aus, weil sich wertvolle Impulse eben nicht nur über Recherchen im Magazin oder auf der Website vermitteln lassen, sondern auch über persönliche Kontakte. Und wir haben den Anspruch, unsere Recherchen auf uns selbst als Unternehmen anzuwenden und eine vertrauensvolle und familiäre Firmenkultur zu pflegen. Mittelstand eben.“