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14:45 Uhr // Alte Schule II

»Werkstatt Führung«

Machen Sie sich als Chef überflüssig

Packen Sie stets mit an? Arbeiten Sie bis in die Nacht? Kontrollieren Sie jede Rechnung? Mähen Sie vielleicht sogar den Rasen vor der Firma selbst und suchen die Briefumschläge aus? Dann ist es Zeit loszulassen! Viele Unternehmer sind im Tagesgeschäft gefangen und verlieren den Blick fürs Ganze. Dabei sind gute Chefs gerade die, die ihr Team eigenständig arbeiten und Mitarbeiter entscheiden lassen. Und sich selbst damit im Alltag überflüssig machen. Als Christoph Unger das Bad- und Heizungsunternehmen Pulvermüller übernahm, arbeiteten die 15 Mitarbeiter straffe Einsatzpläne ab – ohne Raum für eigene Entscheidungen. Die Stimmung war schlecht, er befürchtete, dass einige der dringend gebrauchten Fachkräfte kündigen würden. Unger baute die kleine Firma um. Er lässt seine Mitarbeiter nun selbst entscheiden, wann und welche Aufträge sie abarbeiten. Seitdem läuft das Geschäft so gut wie nie.

Aus Fehlern lernen »

Wie Sie als Unternehmer lernen, sich auf strategische Ziele zu konzentrieren, Aufgaben zu delegieren und ihre Mitarbeiter zu stärken, können Sie in dieser Werkstatt diskutieren.
Mit: Christoph Unger. Der Chef des Bad- und Heizungsspezialisten Pulvermüller gab die Führung des Heizungsbereichs komplett an einen Mitarbeiter ab. Nur einmal im Monat lässt er sich die Zahlen präsentieren.

Moderation: Antonia Götsch und Julia Wehmeier, impulse

 

Christoph Unger Christoph Unger ist Geschäftsführer der Firma Pulvermüller Bad Heizung, die Marke der Christoph Unger GmbH & Co. KG, ansässig in Rottenburg. Als gelernter Gas- und Wasserinstallateur legte er die Meisterprüfung und anschließend den Betriebswirt des Handwerks ab. Bis zu seiner Übernahme der Firma Pulvermüller 2008 war er in führenden Betrieben in leitender Position tätig.

3 Fragen an Christoph Unger
Haben Sie schon einmal einen Fehler gemacht?
Ich mache dauernd Fehler. Natürlich bemühe ich mich, möglichst wenige Fehler zu machen. Keine Fehler zu machen geht aber nur, wenn man tot ist. Daher werde ich, so lange ich lebe, Fehler machen und versuchen, daraus zu lernen.

Wie gehen Sie mit Fehlern um?
Häufig, da bin ich ehrlich, ärgere ich mich zuerst. Ich versuche, den Schaden einzuschätzen und möglichst zu begrenzen. Nachdem das Lehrgeld ja schon bezahlt wurde, ist es wichtig, auch aus dem Fehler zu lernen. Warum ist er passiert? War es Unachtsamkeit, mangelnde Sorgfalt, mangelndes Können oder Wissen? Natürlich fällt es schwer, öffentlich eigene Fehler zuzugeben. Trotzdem versuche ich, damit entspannter umzugehen. Gerade im Geschäftlichen stand bei vielem, was ich erreicht habe, ein Fehler.

Was kann man aus Fehlern lernen?
Wenn ich mich, da ich Fehler vermeiden will, nur auf dem Terrain aufhalte, auf dem ich vor Fehlern sicher bin, bleibe ich weit hinter meinem Möglichkeiten zurück. Kleines Beispiel gefällig? Wir lernen Fahrradfahren oder das Laufen gerade dadurch, dass wir Dinge tun, die wir nicht können – und damit Fehler machen werden. Nur durch die Auseinandersetzung mit Fehlern lernen wir solche komplexen Vorgänge.

 
Antonia Goetsch Antonia Götsch, geboren 1978, ist stellvertretende impulse-Chefredakteurin. Sie arbeitet seit fünf Jahren bei impulse. Zuvor war sie als Redakteurin bei der Financial Times Deutschland und Textchefin bei den Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien tätig. Sie studierte Politikwissenschaft und Germanistik in Göttingen und Bristol.
 
Julia Wehmeier Julia Wehmeier, Jahrgang 1986, ist seit Januar 2015 Redakteurin bei impulse. Davor hat sie bei dem Unternehmermagazin volontiert. Sie hat Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg sowie an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld studiert.
 

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