Interview mit Peter Brandl, Kommunikationsexperte und Berufspilot

Interview mit Peter Brandl, Kommunikationsexperte und Berufspilot

Alexandr Vasilyev / Fotolia.com

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Herr Brandl, Sie behaupten, Unternehmer könnten von dem Kommunikationsstil lernen, wie er in der Fliegerei üblich sei. Warum denn und auf welche Weise?
Brandl: In der Fliegerei hat sich über Jahrzehnte ein Kommunikationsstil etabliert, der auf klaren Prozeduren und Zuständigkeiten basiert. Das erlaubt eine sehr zielgerichtete und effektive Form der Kommunikation.

Aber handelt es sich dabei nicht um schematische, sich wiederholende Anweisungen, die schwerlich auf den Unternehmensalltag übertragbar sind?
Brandl: Diese Form der Kommunikation ist doch dem Arbeitsalltag in den meisten Branchen gar nicht so unähnlich. Im Kern geht es darum, sich gegenseitig zu überprüfen und sich zu vergewissern, dass man sich richtig versteht. Das ermöglicht eine sichere, funktionierende Kommunikation, die besonders in Krisensituationen wichtig ist.

Piloten üben Krisensituationen im Simulator und nutzen Checklisten, um auch Routineaufgaben in gleichbleibender Qualität zu erledigen. Wie ist das auf Unternehmen übertragbar?
Brandl: Man braucht nicht für jedes Meeting eine Checkliste. Aber jeder Selbstständige und jeder Chef ist gut beraten, sich mal selbst eine Krisensimulation zu überlegen. Dazu müsste er sich mal mit seinem engsten Team zusammensetzen, um zu klären, was getan werden muss, wenn plötzlich eine Krisensituation gemeistert werden muss.

Wie soll das denn praktisch aussehen?
Brandl: Da sollte dann wie bei Piloten üblich, eine Art Checkliste erstellt werden, in der zum Beispiel steht: Wer übernimmt welche Aufgaben? Wer redet mit welchen Kunden, mit welchen Lieferanten? Bei produzierenden Betrieben muss etwa geklärt werden, welche alternativen Rohstofflieferanten angesprochen werden können, wenn einmal der Hauptlieferant ausfällt.

Haben Sie diesen Tipp auch in ihrem eigenen Unternehmen umgesetzt?
Brandl: Ja, in meinem Team aus einer Hand voll Festangestellten und einigen freien Mitarbeitern haben wir einen Ordner erstellt, in dem detailliert drin steht, wer welche Aufgaben übernimmt, wenn zum Beispiel jemand in der Assistenz krank ist. Am besten ist natürlich, wenn man diesen Ordner gar nicht braucht. Aber es ist sehr beruhigend zu wissen, dass es ihn gibt.

 

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